Alle lieben Hyper-Light-Drifter. Zurecht.

Selten sah Pixelart so lebendig, so minimalistisch und detailverliebt zugleich aus. Eingebettet in einen atmosphärischen Soundtrack, den der Künstler Disasterpeace für das Spiel beisteuert, zieht mich die Grafik in ihren Bann. Ich erinnere mich an meine erste Konsole, die ich im Jahr 1989 bekam, ein NES 8-Bit System. Deutlich sehe ich die grafischen Parallelen in den pixeligen Strukturen. Hyper Light Drifter bedient sich dieser Wurzeln und packt obendrauf ein Feuerwerk aus lebendiger Animation, räumlicher Tiefe, weichen Transparenzen und reduziertem Interface. Die Welt, die Alex Preston mit seinem Team aus dem Boden gestampft hat, weckt nicht nur den Forscherdrang in diese post-apokalyptischen Pixellandschaft mit ihren wundersamen Bewohnern einzudringen, sondern zeigt auch das unglaubliche Potential, welches in Pixeln und Sprites schlummert.

Alex fasst sein Projekt so zusammen:
"Visions for this game have been fluttering in my skull for ages; something dark and fantastic, with giant forests to navigate, huge floating structures to explore, deep crumbling ruins to loot, massive throngs of enemies to rend, and behemoths both flesh and mechanical to overcome. I want it all to be as beautiful as possible, forging color with the dark and eerie wastes and intimidating landscapes. It plays like the best parts of A Link to the Past and Diablo, evolved: lightning fast combat, more mobility, an array of tactical options, more numerous and intelligent enemies, and a larger world with a twisted past to do it all in.“
Im Grunde ist damit über das Gameplay alles gesagt. Hoffen wir, dass Alex seine Vision auf den Punkt genau umsetzen kann. Die Ambitionen sind klar zu erkennen, hier wird geschuftet, bis jedes Pixel am richtigen Platz sitzt. Die Oberwelt ist freundlich, mystisch, aber vor allem monumental. Man streift durch verfallene alte Bauwerke, durch erhabene Wälder und vorbei an rauschenden Wasserfällen. Man fühlt sich heimelig. Ein pixeliger Fisch taucht aus einem Teich auf, ein paar Wassertropfen spritzen durch die Gegend, warum habe ich keine Angel im Gepäck? Hier könnte ich Wurzeln schlagen, meine Blicke schweifen über Wasserlandschaft und Disasterpeace’s Musik lullt mich angenehm ein. In diesem Universum gibt es viel zu entdecken, ich ziehe weiter und steige die in Stein geschlagenen Stufen herab, bis ich vor einer metallenen Tor stehe.

Die Dungeons in Hyper-Light-Drifter sind so ziemlich das Gegenteil von freundlich, aber genauso rätselhaft wie die Wesen der Oberwelt. In ihrer düsteren Art und Weise wirken auch sie wunderschön mit einem Touch Albtraum. Und auch an Details mangelt es nicht! Um eine Holo-Tür zu öffnen, stelle ich mich auf eine Plattform, eine quadratische Säule fährt aus den Boden, mein kleiner Roboterkumpel dockt in einem Slot an und startet den Dekodierungsprozess, ein Display unterhalb eines Totenschädels füllt sich auf. Sobald der Balken voll ist, ändert sich die Farbe von Rot zu einem vertrauensvollen Türkis und das Hologramm zerlegt sich nach kurzem Aufblitzen in seine digitalen Nullen und Einsen, der Weg ist frei. Mein kleiner Helfer schwebt von der Docking-Station zurück in meinem Orbit und grinst mich fröhlich von der Seite an. Ich schreibe hier über einen banalen Vorgang: Tür auf, Tür zu – ein unerlässlicher Teil in einem Dungeon, den es zu erforschen gilt. Aber auch hier spürt man die so oft beschworene Liebe zum Detail, hier gibt es sie wirklich.

Was befindet sich im nächsten Raum? Sind es die Überreste von Mother M oder Frankensteins Eingeweide? Die Schatten im Reagenzglas lassen jedenfalls nicht Gutes Vermuten, hier herrscht das genetische Chaos. Vorherrschend ist eine monochrome Farbkombination im scharlachroten Spektrum. Es blitzt pink über das Glas, die dunklen, in Flüssigkeit eingelegten Schemen sind eher purpur, die Kabelbindungen, Metallstrukturen und Rohrleitungen zeigen Facetten von tiefem Flieder. Jedes Pixel sitzt an seinem Platz, eine Fülle von Details ziehen meinen Blick auf sich, 8-Bit sah nie besser aus.
Egal ob man sich nun durch nicht endende Gegnerwellen schnetzelt oder einfach zwischen den Ruinen verharrt, Hyper-Light-Drifter ist eine große Entdeckungsreise. Alex und sein Team haben ein ausgeprägtes Gespür für Animation, Artwork und Design. Allein die Skizzen, die dem ganzen Spiel zu Grunde liegen, sind kleine Meisterwerke, so grob, so aus dem Handgelenk geschüttelt, so tiefsinnig und emotional, so packend! Dynamik und Proportionen stimmen, die Grauwerte sind ebenso überzeugend ins Bild gesetzt, hier waltet hohe zeichnerische Qualität. Wir drücken die Daumen, dass diese Perle rasch das Licht der Welt erblickt. Bis dahin erfreuen wir uns an jedem Schnipsel, der durch den digitalen Äther fließt und wünschen Alex und seinem Team von Heart Machine alles, alles Gute.
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